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Stellungnahme Freiflächenphotovoltaik

2. Mrz 2022

An die Landwirtschaft werden immer größere Erwartungen gestellt – Nahrungsmittelproduktion und Klimaschutz stehen dabei meist im Vordergrund. Um die Klimaziele Deutschlands noch erreichen zu können, müssen vor allem die erneuerbaren Energien deutlich ausgebaut werden. Dies machen auch die ambitionierten Ziele im “Erneuerbaren Energiegesetz 2021” und energiepolitische Entscheidungen von Bund und Ländern deutlich. Neben Windkraft könnte auch die Gewinnung von Strom durch Photovoltaikanlagen dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen. Die verstärkte Bedeutung von Freiflächenphotovoltaik auf aktuell landwirtschaftlich genutzten Flächen führt allerdings zu Zielkonflikten.

Wir als junge Landwirtinnen und Landwirte setzen uns dafür ein, die Nutzung erneuerbarer Energien weiter zu fördern, um so unsere heimische Landwirtschaft auch in Zukunft, trotz der Auswirkungen des Klimawandels, weiterführen zu können. Trotzdem erkennen wir einen Nutzungskonflikt zwischen der Produktion von Lebensmitteln und der Produktion von Strom auf unseren landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Deshalb ist uns folgendes in Bezug auf Freiflächen- und Agrophotovoltaik wichtig:

  • Landwirtinnen und Landwirte sollen gegenüber Investoren, die fachfremd sind, eine prädestinierte Baugenehmigung für Freiflächenphotovoltaikanlagen erhalten.
  • Agrophotovoltaik muss an einen realistischen Mindestwert von Landwirtschaft gekoppelt werden. Nur so kann eine gezielte Förderung gewährleistet werden.
  • Eine genauere Untersuchung der Auswirkungen von Agrophotovoltaik auf das Mikroklima unter und neben den Anlagen ist zwingend notwendig.
  • Wir fordern eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen landwirtschaftlichen Verbänden und Forschungsinstitutionen, wie dem Fraunhofer Institut oder dem Biodiv-Solarpark.
  • Bevor eine landwirtschaftliche Acker- oder Grünlandfläche zur Stromproduktion umgenutzt wird, sollten die beiden Alternativen Agrophotovoltaik und Biodiv-Solarpark berücksichtigt werden.
  • Zunächst sollten minderwertige Standorte, wie Hanglagen oder Moore für die Nutzung von Photovoltaikanlagen bevorzugt werden.
  • Es muss sichergestellt werden, wie die genutzte landwirtschaftliche Fläche nach der Vertragszeit weiter genutzt werden kann und darf.

Außerdem fordern wir eine verpflichtende Nutzung von Dächern industrieller oder öffentlicher Gebäude für Photovoltaikanlagen, um so die Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig den Druck auf landwirtschaftlich genutzte Flächen zu reduzieren.

Die Freiflächenphotovoltaikanlagen sind für die zukünftige Gestaltung landwirtschaftlicher Betriebe eine zusätzliche Chance, weiteres Einkommen zu generieren. Nichtsdestotrotz sollten Freiflächenphotovoltaikanlagen nicht ohne weitere Überlegungen umgesetzt werden, da vor allem die beiden Alternativen Agrophotovoltaik oder Biodiv-Solarparks einen höheren Nutzen durch das Zusammenspiel zwischen Klimaschutz, Energiewende und moderner Landwirtschaft bieten.