Gemeinsame Pressemitteilung der landwirtschaftlichen Jugendverbände in NRW
Die Regierungsfraktionen haben in dieser Woche einen Antrag zur Förderung des Generationenwechsels in der Landwirtschaft in den Landtag von NRW eingebracht. Herzstück des Antrags ist die Einführung einer Existenzgründungsprämie noch in dieser Förderperiode, wie sie die Agrarjugendverbände schon lange fordern. Diese soll noch in der laufenden Förderperiode erprobt und ab 2028 verstetigt werden. Die landwirtschaftlichen Jugendverbände in NRW begrüßen die Initiative von CDU und Grünen als wichtigen und überfälligen Schritt zur Stärkung junger Menschen in der Landwirtschaft im Grundsatz. Sie betonen gleichzeitig, wie wichtig es nun ist, dass auch schnell die entsprechenden Finanzmittel aus dem Landeshaushalt bereitgestellt werden, sodass spätestens 2027 die ersten Anträge bewilligt werden können. Der Prozess darf jetzt nicht weiter verschleppt werden, so die Verbände.
„Junge Menschen haben Tatendrang und viele gute Ideen. Eine Agrarstruktur mit vielen und vielfältigen Betrieben ist außerdem krisensicher. Die Einführung einer Existenzgründungsprämie in NRW erhöht also die Innovationskraft in der Landwirtschaft und in den ländlichen Räumen und leistet einen konkreten Beitrag zur Nahrungsmittelsicherheit. Nicht zuletzt ist dieser Antrag ein riesiger Erfolg für den landwirtschaftlichen Nachwuchs und ein positives Signal an alle Agrarjugendverbände, dass sich Durchhaltevermögen und politisches Engagement über Verbandsgrenzen hinweg lohnen!“ sagt Carmen Schulze Osthoff, Vorsitzende des Rings der Landjugend Westfalen-Lippe. Bereitsseit 2021 setzt sich ein Zusammenschluss zahlreicher Agrarjugendverbände in NRW gemeinsam für die Umsetzung einer konzeptbasierten Existenzgründungsprämie ein.
Die Gründe, eine Existenzgründungsprämie endlich auch in NRW einzuführen, liegen aus Sicht der Jugendverbände auf der Hand. Die aktuelle Altersstruktur der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter ist hoch, bei bis zu einem Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe ist die Hofnachfolge ungeklärt, gleichzeitig steigt der Anteil der Auszubildenden ohne familiären landwirtschaftlichen Hintergrund stetig an. Vor allem Neugründerinnen und -gründer treffen auf enorme Einstiegshürden: hohe und kontinuierlich steigende Kapitalintensität, begrenzte Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Flächen, hohe Anfangsinvestitionen sowie fehlende Sicherheiten gegenüber Banken sind riesige Herausforderungen. Aber auch bei innerfamiliären Hofnachfolgen ist häufig ein hoher Investitionsbedarf gegeben. „Mit ihrem Antrag erkennen die Regierungsparteien diese Tatsache an. Die Umsetzung einer Existenzgründungsprämie in NRW kann dabei helfen, die hohen Einstiegshürden wenigstens etwas abzumildern“ freut sich Andreas Maaß vom jungen Bioland.
Aus Sicht der landwirtschaftlichen Jugendverbände bringt sich die Landesregierung mit der Umsetzung einer Existenzgründungsprämie auch bezüglich der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 in eine vorteilhafte Position. In den Reformvorschlägen der EU-Kommission für die kommende GAP spielt der Generationenwechsel eine riesige Rolle und die Umsetzung einer Existenzgründungsprämie soll für die EU-Mitgliedstaaten verpflichtend sein. Schon jetzt praktische Erfahrungen mit der Antragstellung und -umsetzung einer Existenzgründungsprämie zu sammeln sei daher eine wichtige Grundlage, um beispielsweise im Zuge der kommenden Verhandlungen die Interessen von NRW gezielt einbringen zu können, so die Jugendverbände.
Antje Hollander von der jungen AbL betont abschließend die Besonderheit der Zusammenarbeit der Agrarjugendverbände: „In den vergangenen Jahren ist es uns als Jugendverbänden gelungen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam für eine Sache einzustehen, die für die Zukunft der Landwirtschaft entscheidend ist. Es ging nicht um einzelnes Klienteldenken, sondern darum gemeinsam, Lösungen für die nächste Generation zu schaffen. Dass diese Bemühungen nun auch von der Landesregierung anerkannt werden, ist eine riesige Wertschätzung unserer Arbeit, jetzt wird es drauf ankommen, den Antrag mit einem konkreten Budget zu untermauern und dass das zuständige Ministerium schnell eine Förderrichtlinie erarbeitet und umsetzt.“
Zum Antrag: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD18-20430.pdf