Freihandelsabkommen, wie das aktuell viel diskutierte Mercosur-Abkommen, sind aus Sicht des Rings der Landjugend (RdL) ein wichtiger Baustein der globalen Wirtschaft, welche den freien Handel zwischen den Mitgliedsstaaten sowie eine gemeinsame Außenpolitik maßgeblich stärken. Gleichwohl dürfen mit einem solchen Abkommen nicht Nachhaltigkeit, Tierwohl und hohe Produktionsstandards, als Grundlage zukunftsfähiger Landwirtschaft, auf Kosten unserer europäischen Betriebe ins Wanken geraten.
Chancen, die das Mercosur-Abkommen für ganz Europa eröffnet, liegen aus Sicht des RdLs auf der Hand: Verbesserter Zugang und Exportmöglichkeiten zu Mercosur-Märkten, reduzierte Zölle auf Exporte sowie eine geopolitische Diversifizierung der Handelsbeziehungen, die vor allem vor dem Hintergrund aktueller globaler Konflikte an Bedeutung gewinnen dürfte.
Laut Expertenmeinung liegt der geschätzte Anstieg der allgemeinen jährlichen Exporte in die Mercosur Staaten bei 39 %, was einem Wert von rund 49 Milliarden Euro entspricht. Gleichzeitig kommt es durch das Abkommen zu einer Sicherung von hunderttausenden Arbeitsplätzen innerhalb der europäischen Union, einer Abschaffung von Zöllen auf EU-Exporte im Wert von jährlich 4 Milliarden Euro sowie einer geschätzten Steigerung von EU-Agrar- und Lebensmittelexporten in den Mercosur um bis zu 50 %. Diese Steigerung im EU-Agrar und Lebensmittelsektor ist möglich durch
- Abgeschaffte Zölle auf z. B. Wein, Olivenöl, Malz, Getränke etc.
- Schrittweise Abschaffung von Zöllen auf Milcherzeugnisse
Die Einfuhren landwirtschaftlicher Erzeugnisse sollen weiter durch strikte Auflagen begrenzt werden, um eine Überschwemmung des Marktes zu verhindern. Der Prozentsatz an „Mehrware“ im Markt durch die Einfuhr beträgt dabei: 1,6 % Rindfleisch, 0,1 % Schweinefleisch sowie 1,5 % Geflügelfleisch.
Nichtsdestotrotz haben sich in der europäischen Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten Nachhaltigkeit und hohe Produktionsstandards zu entscheidenden Eckpfeilern unserer Landwirtschaft entwickelt und uns in diesem Bereich weltweit zu einem Vorreiter gemacht. Diese Errungenschaft ist unverzichtbar – gerade für uns jungen Landwirtinnen und Landwirte. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass diese Standards nicht nur Fortschritt bedeuten, sondern auch eine stetige Herausforderung für die Wirtschaftlichkeit unserer Betriebe darstellen. Die verursachten Kosten werden im Berufsstand nicht ohne Grund kontrovers diskutiert. Ein Abkommen wie Mercosur, das Importe zulässt, die diesen Standards nicht gerecht werden, bedroht die Wettbewerbsfähigkeit und gefährdet die Grundlage unseres Engagements für eine nachhaltige Landwirtschaft – ein Preis, den wir nicht zahlen dürfen.
„Freihandelsabkommen können ein starkes Signal für die internationale Zusammenarbeit setzen. Doch sie müssen auf Fairness, Nachhaltigkeit und gegenseitigem Respekt beruhen.“ betont Carmen Schulze Osthoff, Vorsitzende des Rings der Landjugend.